Rita König

Rita König

Foto: privat

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Ich gehe mittwochs in eine Grundschule. Mein erster Schüler kommt aus Syrien. Schwierig wäre er, sagt die Klassenleiterin. Er stehe einfach mitten im Unterricht auf und packe seine Mappe. Ich verkneife mir ein Grinsen, ich soll Lehrerin spielen, nicht Kumpel sein, aber ich kann den kleinen schwarzgelockten Jungen verstehen: was soll ihn halten zwischen all denjenigen, die plappern und zuhören und wissen, worum es geht? Wir haben neunzig Minuten Einzelunterricht. Eine Tortur für einen Siebenjährigen. Er sagt seinen Namen, ich schreibe ihn an die Tafel. Wir werden uns nicht einig über den letzten Buchstaben. Ich habe überhaupt keine Ahnung von arabischen Namen. Nach sechzig Minuten gehen wir auf den Hof. Klettern, laufen, Wörter nachsprechen, Farben bestimmen, aber vor allem: spielen. Schwierig? Höchstens für mich.
Das war vor über einem Jahr. Inzwischen beendet er die zweite Klasse, spricht und schreibt gut, kann lesen und rechnet wie ein kleiner Weltmeister. Am schönsten ist immer noch das Spielen - und genau so soll es meiner Meinung nach auch sein. Ein Spielen in Frieden.
— Rita König
Martin von Arndt

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Holger Karsten Schmidt

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