Nina George

Nina George

Foto: Urban Zintel © Nina George

Foto: Urban Zintel © Nina George

Die derzeitige deutsche, empörungsbereite Leitkulturdebatte bildet Hierarchien: „die“ und „wir“.
Aber: Wer sind denn wir, dass wir diese Hierarchien herstellen? Wir sind Gastgebende, wir sind Helfende, wir haben eine Verfassung, die unser Zusammenleben regelt. Aber wir sind nicht besser, nur anders. Und deswegen muss das Oben/Unten, das „Wir“/„Die“ aus unseren Köpfen.
Ich lebe oft in Frankreich, dort wird aus „die“ und „wir“ ein „uns“ – Immigranten und ihre kulturellen Leistungen und Eigenheiten werden innerhalb einer Generation zur französischen Kultur hinzugefügt. Darüber sollten wir sprechen: Nicht was wir verlieren könnten. Sondern gewinnen. Und deswegen gebe ich meine Stimme für all jene, die jetzt aus dem Krieg, aus Not und ihrem Alltag, vertrieben werden.
Wir leben weltweit im Krieg. Es macht keinen Sinn, den Veränderungen, die unsere Weltgesellschaft betreffen, verneinend zu begegnen. Wir müssen versuchen, aus dem vermeintlichen „Clash“, dem Zusammenprall der Kulturen, etwas Drittes zu schaffen, etwas Neues. Im Persischen heißt dieser Prozess „bar-khord“: Aus zwei unterschiedlichen Elementen entsteht nicht Kampf, Abstoßung oder Fronten - sondern etwas fließt zusammen, bildet etwas Drittes, nie Dagewesenes. Es ist ein Schöpfungsprozess. Er ist schmerzhaft. Er verändert alles. Das ist die Aufgabe, der wir uns zu stellen haben: Die Veränderung zu ertragen und mitzugestalten.
— Nina George
Sandra Hoffmann

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Kerstin Gier

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