Julia Dibbern

Julia Dibbern

Foto: Nicole Buczior

Foto: Nicole Buczior

Ein Mädchen aus unserer Stadt hat Leukämie.
Ich begleite Farid und Idris zur Knochenmarktypisierung.
Idris ist 22. Er bekommt Antidepressiva und kommt ohne Schlaftabletten nicht zur Ruhe. Er spricht nicht darüber, was ihm zu Hause in Afghanistan und auf der Flucht passiert ist. Überhaupt spricht Idris nicht viel.
Farid ist 18. Seit einem Jahr ist er in Deutschland. Er hat seine Heimat verlassen, als er 16 war. Auf der Wange hat er eine tiefe Narbe. Sie sieht aus, als wäre da ein Loch gewesen.
Idris’ Seelennarben und Farids körperliche Narben hindern die beiden nicht daran, helfen zu wollen.
”Es ist gut, wenn viele Menschen aus anderen Ländern zur Typisierung kommen”, sagt die Ärztin. “Umso größer ist die Chance, einen Spender zu finden, der diese seltenen Merkmale aufweist.”
”Wie alt ist das kranke Mädchen?”, fragt Farid im Auto.
”12”, sag ich.
Er schweigt.
Ich werde ihn nachher doch noch nach seiner Familie in Afghanistan fragen, was ich mich seit Wochen nicht traue. Weil er doch selbst eigentlich noch ein Kind ist. Eigentlich.
Susanne Brandt

Susanne Brandt

Stefan Gemmel

Stefan Gemmel