Grit Poppe

Grit Poppe

Foto: Gregor Baron

Foto: Gregor Baron

Vor ein paar Wochen habe ich Sara kennengelernt. Sie ist acht Jahre alt und kommt aus Damaskus, Syrien. Sie lebt mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft in Potsdam. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder und ihren Eltern bewohnt sie zwei kleine Zimmer. Privatsphäre gibt es nur wenig. Es gibt eine Gemeinschaftsküche für alle Flüchtlinge, Toiletten auf dem Flur, Duschen in Containern auf dem Hof und wenig Abwechslung.
Einmal die Woche treffe ich mich mit Sara und ihrem sechsjährigen Bruder Ahmed, um mit ihnen spielerisch Deutsch zu lernen. Es geht ums Sprechen, Lesen, Schreiben, große und kleine Buchstaben, wir legen gemeinsam das Wort Maus unter das Bild des Nagetiers, beschäftigen uns mit dem Unterschied von Mund und Mond oder auch damit, wie die einzelnen Obstsorten heißen. Dabei bin ich jedes Mal erstaunt, wie schnell Sara und sogar der kleine Ahmed lernen und wie wissbegierig sie sind. Da ich gerade einen Arabischkurs mache, erklärt mir Sara indessen auch die arabischen Vokabeln: Banane heißt Mausa, Melone Batich, Kirschen Kerres, Pflaumen Änib und Apfel Tuffah. Wenn ich etwas falsch ausspreche, berichtigt sie mich, bis ich es endlich begriffen habe. Dann schreiben wir beide in unsere Hefte. Auch wenn Sara die deutschen Worte noch nicht kennt, ist sie schon in der Lage sie zu lesen – bei mir funktioniert das mit der arabischen Schrift leider noch nicht so gut. Und ich frage mich manchmal, wer hier eigentlich wen unterrichtet.
Auch der Krieg in Syrien war schon einmal Thema. An diesem Nachmittag waren beide sehr aufgeregt und versuchten mir zu erklären, was passiert war in „Syria“. Es ging um den „Baba“ (Papa) eines Mädchens, wohl einer Freundin von Sara, der von Bomben getötet wurde. Sie erzählten dann mit Gesten und Geräuschen von dem grausamen Ereignis. Aber das war offenbar nicht genug. Ahmed rannte plötzlich blitzschnell raus auf den Hof und kam mit einem Stein zurück. Dann lief Sara hinaus und schleppte einen noch viel größeren Brocken an. Natürlich hatte ich die beiden längst verstanden, auch ohne Worte.
Ich weiß nicht, was Sara und ihre Familie in Syrien und auf ihrer Flucht erlebt, wie viele Freunde und Angehörige sie verloren haben, aber ich bin froh, dass sie heute hier und in Sicherheit sind.
— Grit Poppe
Regina Schleheck

Regina Schleheck

Helene Henke

Helene Henke