Claudia Brendler

Claudia Brendler

Foto: privat

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Im Sommer 2015 schrieb ich gerade an einem Roman über Entschleunigung. Das Tempo drosseln, verschüttetes Staunen ausgraben, die kleinen Dinge wahrnehmen, vielleicht gar für Momente das Ego ablegen. Eine Geschichte über und für Menschen wie mich selbst, gestresste, von Sinnverlust und Burn-out bedrohte Mitglieder einer Gesellschaft, deren Lebensstil nur auf Kosten anderer möglich ist und dadurch Kriege und Fluchtbewegungen verursacht.
Gleichzeitig wurden die Meldungen in den Medien immer unfassbarer: verordnete Armut und Elend für das griechische Volk, unerträglicher Zynismus der deutschen Politiker, untergehende Flüchtlingsboote, Abgrenzung statt Hilfe, rechte Gewalt und Dummheit.
An dem Punkt, als es unmöglich schien, weiter über Achtsamkeit und Langsamkeit zu schreiben, während die Langsamkeit für diejenigen, die wochenlang unterwegs waren, immer quälender wurde, sind die Flüchtlinge schließlich in meine Geschichte eingezogen. Sie haben das Buch verändert und bereichert.
Ich hoffe, dass mit unserem Leben und unserem Land das Gleiche geschieht. Dass es leicht wird, glaube ich nicht. Wir werden Vorurteile revidieren, uns unseren Ängsten stellen und in uns selbst Platz für Neues machen müssen. Wir haben viel zu geben und viel zu erhoffen.
— Claudia Brendler
Cally Stronk

Cally Stronk

Andreas Götz

Andreas Götz