Jan Groh

Jan Groh

Foto: privat

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Das wichtigste Handwerksgerät von Autoren ist eines, das allen Menschen gegeben ist: das Ein- und Mitfühlen, die Empathie.

Mehr noch als die Fantasie macht uns die Empathie jene Welten lebendig, in die wir uns beim Schreiben versetzen und in denen wir uns beim Lesen verlieren. Die Empathie ist es, die uns Fremdes zum Leben erweckt und uns eins werden lassen kann mit einem eigentlich doch unerreichbaren Anderen.

Empathie verbindet uns durch die Zeit mit unserem eigenen früheren Selbst und dem, der wir werden und werden wollen. Sie ist die wichtigste Quelle unserer Entwicklung und unseres Wachstums. Sie ist der Schlüssel zu Vertrauen und Mut und zur Überwindung von Ängsten.

Sie lässt uns im Fremden ebenso uns selbst erkennen wie in uns selbst das Fremde. Sie lehrt unser monadisches, für immer in sich selbst gefangenes Ich, dass es sich nur durch Zufälle von jenen anderen, wunderlichen Ichs unterscheidet, die sich in unserer eigenen Eigentümlichkeit spiegeln.

Als Hervorbringung unserer eigenen Spiegelneuronen warnt uns die Empathie, dass die Freund- und Feindschaften, die wir pflegen und erfahren, zuallererst in uns selbst geboren werden, in unserem eigenen Gehirn und unserer eigenen Psyche, und wir sollten bedenken, dass es nicht die Welt ist, die sich ändert, wenn Ängste uns blind machen für die Vielfalt von Schönheit.

Empathie bedeutet, dass die Grenzen unseres Selbst keine Gefängnismauern sind und es einen Weg hinaus zu den Anderen gibt, wenn wir sie als uns selbst begreifen. Die politische Empathie lehrt uns, dass wir uns durch das Ausüben von Macht und das Dulden von Ungerechtigkeit selbst verletzen – und dass wir reicher werden, wenn wir uns einander – unabhängig davon, welcher Art und Herkunft wir sein mögen – als Menschen auf gleicher Höhe in die Augen blicken.

Die Empathie ist ein Werkzeug, das gebraucht und dessen Handhabung trainiert werden muss. Empathie zu üben, einer jeden Figur gegenüber, ist ein guter Rat an Autoren, um ihren Charakteren Leben einzuhauchen. Empathie zu üben, einem jeden gegenüber, ist ein guter Rat auch an unsere Gesellschaft, wenn wir Verbündete des Lebens und der Menschlichkeit bleiben wollen.
— Jan Groh
Vera Kissel

Vera Kissel

Cornelia Boehler

Cornelia Boehler